Zu meinen Bildern:

Eine besonders faszinierende Eigenschaft des menschlichen Geistes ist die Abstraktionsfähigkeit, die wir einsetzen, um die Fülle unserer Umwelt auf immer wieder verwendbare Symbole zu reduzieren und uns so zurechtzufinden.

Bei meinen Kohlearbeiten und Aquarellen  verdichte ich die Landschaft, den Augenblick auf den wesentlichen, formelhaften Charakter. Ich mache sie zum eigenständigen Zeichen, das Bestand hat im fließenden Universum der Eindrücke.

In meinen großformatigen Acrylarbeiten pulsiert das Leben in der Landschaft, chaotisch, expandierend, eine Polyphonie subjektiver Erfahrungen, die sich in der Topographie des Gesamtbildes zu einer harmonischen Einheit formen und im Betrachter ein spannendes, intensives Inhalts- und Farberlebnis auslösen.

Wichtig ist mir beim Malvorgang das vordergründig Vernünftige, den ständigen Strom der Gedanken, auszuschalten, damit keine “verkopften” Bilder entstehen. Ich versuche eine Verschmelzung zwischen Unterbewusstsein und rationaler Wachheit herzustellen, um einen intensiven Kontakt mit der Bildebene zu erreichen. Dabei soll die Unmittelbarkeit des Farbauftragens als Zeugnis für die lebendige Auseinandersetzung erhalten bleiben.

Das Auslaufen der Farbe aus dem Pinsel bedarf dabei, besonders bei den Aquarellen, großer Konzentration und Übung; ein Punkt, eine Linie zu viel zerstören das Bild.

Durch Verdichtung und Abstraktion versuche ich ein Zeichen für den Augenblick zu schaffen, das Bestand hat, eine Komprimierung auf die wesentlichen Elemente, die in ihrer formelhaften Kraft den Bildraum spannungsvoll füllen und einen eigenen Kosmos parallel zu unserem formen, in dem nur die Kompositions- und Abbildungsgesetze des Bildes gelten.

Nur das ehrliche Bild zählt!

Lois Rinner